Georgsbote No. 171 | Juni 2026

Seite 7 GEORGS BOTE JUNI 2026 DIE QUACKSALBEREI DES HEINRICH LUDWIG 1836 war eine der Cholera-Epidemien in unserer Gegend, und damals lebte in Kahlenbergerdorf der Chemiker Heinrich Ludwig, der nach seinem streng geheimen Rezept Zuckersirup aus Kartoffeln in der Fabrik der Anna Winkelmann herstellte und außerdem noch sein „Oxigen- oder Sauerwasser“ als Mittel gegen die Cholera erzeugte. In Wien wurde dieses Cholera-Wasser im Bierhaus „Beim schwarzen Hund“ am Hohen Markt vom Kellner verkauft. Die kleinen Fläschchen kosteten zuerst 50 Kreuzer und bedingt durch den großen Absatz dann 1 Gulden. Da dies „in Sanitäts-Rücksichten ganz gesetzwidrig“ war, erstattete der Apotheker zum Salvator, Heinrich Etzelt die Anzeige und teilte hiezu mit, dass sich bei der von ihm durchgeführten chemischen Untersuchung des Cholera-Wassers herausgestellt habe, dass es sich um verdünnte Schwefelsäure handle. Heinrich Ludwig gab zu Protokoll, dass er, „um den von Not und Tod bedrohten Menschen zu helfen, teils kostenlos sein Mittel gegen Cholera gab, welches nach seiner innigsten Überzeugung und Erfahrung gegen diese Krankheit hilft. Das Mittel bestünde aus verschiedenen Pflanzensubstanzen, und er könnte tausende Zeugen nennen, die davon geheilt wurden.“ Als Beweis für die großen Heilerfolge des Ludwig`schen Cholerawassers wurde dem Stiftsgericht in Klosterneuburg ein Schreiben des Ortsgerichtes von Kahlenbergerdorf vom 17.8.1836 vorgelegt, in dem Joseph Kuntner, der Ortsrichter von Kahlenbergerdorf berichtete, „dass in Kahlenbergerdorf niemand an Cholera gestorben war, und dass die Kranken wirklich durch das Heinrich Ludwig`sche Churmittel von der Krankheit befreit wurden“. Der Polizeiarzt Dr. P. Flügel berichtete seiner vorgesetzten Dienststelle, dass „Kranke der ungebildeten Klasse immer mehr Hausmittel nehmen und den Arzt erst dann rufen, wenn es schon zu spät ist bzw. sie sich in rettungslosem Zustand befinden. Immer häufiger treffe er Choleratropfen unter den Hausmitteln an, die im sogenannten Kahlenbergerdörfel von einer höchstwahrscheinlich ganz unberechtigten und betrügerischen Person erzeugt werden.“ In einem anderen Schreiben der Polizeioberdirektion Wien wurde der Stiftsherrschaft Klosterneuburg mitgeteilt, dass im K.k. Krankenhause Versuche angestellt worden sind, um das von Heinrich Ludwig erzeugte Cholera-Wasser zu testen und daher stellte sich heraus, dass es nicht nur gegen die Brechruhr keine Hilfe leistete, sondern als heftig wirkende Säure der Gesundheit und dem menschlichen Leben höchst gefährlich war. Wann und ob die Erzeugung des Cholera-Wassers von Heinrich Ludwig verboten wurde, ist aus den derzeit auffindbaren Unterlagen nicht ersichtlich aber es ist anzunehmen, dass die Fabrikation dieses fragwürdiges Heilmittels im Kahlenbergerdorf eingestellt wurde. + Dr. Edda Held

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