Seite 5 GEDANKEN ZU ADVENT UND WEIHNACHTEN GEORGS BOTE NOVEMBER 2025 Wenn der erste Kerzenschein das frühe Dunkel durchbricht, beginnt eine der stillsten und zugleich bedeutendsten Zeiten des Jahres: der Advent. Ursprünglich als Fasten- und Bußzeit gedacht, ist er mehr als nur eine Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Er ist eine Einladung zur Einkehr – eine Zeit, in der wir innehalten und uns fragen dürfen, was wir eigentlich erwarten. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ – diese alte Liedzeile fasst das Wesen des Advents zusammen: Es geht nicht nur darum, Türen zu schmücken, sondern Herzen zu öffnen. In einer Welt, die von Hast und Konsum geprägt ist, erinnert uns der Advent daran, dass wahre Vorbereitung nicht im Kaufen, sondern im Stillwerden geschieht. Weihnachten selbst ist weit mehr als ein Fest der Lichter und Geschenke. Es ist das Fest der Menschwerdung – ein Ereignis, das die Geschichte veränderte, weil es das göttliche Licht in das menschliche Dasein brachte. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14) – dieser Satz ist für das Christentum zentral: Er erzählt von der unbegreiflichen Nähe Gottes, der sich klein macht, um uns zu begegnen. Auch philosophisch betrachtet trägt Weihnachten eine zeitlose Botschaft in sich. Es erinnert uns daran, dass wahre Größe oft im Kleinen liegt, dass Hoffnung nicht laut, sondern leise beginnt – in einer Krippe, fern von Macht und Glanz. Der Gedanke, dass das Heil der Welt in einem Kind liegt, ist ein Sinnbild für Neubeginn und Vertrauen. So sind Advent und Weihnachten mehr als traditionelle Jahreszeiten: Sie sind ein Spiegel unserer Sehnsucht nach Frieden, Liebe und Sinn. Wer sich dieser Zeit bewusst öffnet, wird vielleicht spüren, dass das Wunder nicht nur damals geschah – sondern auch heute, mitten unter uns. + Peter Lechleitner Als Papst Franziskus im Mai 2015 seine Enzyklika Laudato si’ veröffentlichte, war sie mehr als ein kirchliches Lehrschreiben: Sie war ein globaler Appell zum Umdenken. Unter dem Leitmotiv „Lob sei dir, mein Herr“ – einer Anspielung auf den Sonnengesang des heiligen Franziskus – rief der Papst die Menschheit auf, „unser gemeinsames Haus“ zu schützen. Die Botschaft war klar: Die ökologische Krise ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern eine zutiefst soziale, ethische und spirituelle Herausforderung. Franziskus prangerte die „Wegwerfkultur“ und die „strukturelle Ungerechtigkeit“ des globalen Wirtschaftssystems an. Er forderte eine „ökologische Umkehr“, die nicht nur technologische Lösungen, sondern einen grundlegenden Wandel im Denken, Handeln und Wirtschaften einschließt. Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit und Armut sind für ihn untrennbar miteinander verbunden. Laudato si’ hat weltweit Aufmerksamkeit erregt – weit über kirchliche Kreise hinaus. Die Enzyklika prägte den Ton internationaler Umweltdebatten, inspirierte Bildungsprogramme und ökologische Projekte in Diözesen, Ordensgemeinschaften und katholischen Organisationen. Sie beeinflusste sogar politische Prozesse, etwa die Vorbereitungen auf das Pariser Klimaabkommen 2015. Doch der große gesellschaftliche Wandel, zu dem Franziskus aufrief, blieb bisher aus. Trotz technologischer Fortschritte und wachsender Sensibilität für Klimathemen steigen die globalen Emissionen weiter, die Artenvielfalt schwindet, soziale Ungleichheiten verschärfen sich. „Laudato si’“ hat das Bewusstsein geschärft – aber es ist nur teilweise in konkretes Handeln umgesetzt worden. Zehn Jahre später ist die Dringlichkeit größer denn je. Die Folgen der Erderwärmung – von Extremwetterereignissen bis zur Klimamigration – treffen besonders ZEHN JAHRE „LAUDATO SI’“ – ZWISCHEN AUFBRUCH UND AUFTRAG
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