Seite 7 GEORGS BOTE NOVEMBER 2025 Das Stift Klosterneuburg wurde durch die Vertreibung der Augustiner-Chorherren 1941 und den Einzug des gesamten Vermögens durch die Reichsfinanzverwaltung 1942 aufgelöst und hatte damit de facto aufgehört zu existieren. Am 30. April 1945 konnte Pfarrer Oswald Rod die Verwaltung des Hauses, das dank seines aufopfernden Einsatzes vor wesentlichen Plünderungen und Zerstörungen verschont blieb, wieder in die Hände des Propstes Alipius Linda legen, der seit dem 12. Juni 1941 in Hietzing residierte. Der Sommer 1945 war ausgefüllt mit Aufbauarbeiten im Stift. Am 8. Juni wurde die Stiftsbibliothek, die seit 31. Mai 1943 der Nationalbibliothek im Rang einer Studienbibliothek einverleibt war, dem Stift zurückgegeben. Am 14. Juni wurde das Stiftsarchiv vom Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien und dem Archiv der Stadt Wien, zwischen denen es im September 1943 aufgeteilt worden war, wieder dem Stift übergeben. Ab September erfolgte die Rückgabe der stiftlichen Reviere durch die niederösterreichische Landesregierung, während die Stadt Wien die ihr einverleibten Forstflächen erst im Juli 1947 an das Stift zurückgab. Am 14. November 1945 fand die offizielle Rückkehr des Stiftskapitels statt. Nach einem Festkapitel im Gobelinsaal zogen die Chorherren in die Basilika zur Vesper und nahmen sie so in feierlicher Form wieder in ihren Besitz. Nach der Vesper wurden der Hauschor wieder eingeweiht und die Klausur errichtet. Leopoldi 1945 wurde feierlich begangen und ein Leopoldipfennig geprägt. Das tausendjährige Reich blieb nur eine kurze Episode in der neunhundertjährigen Stiftsgeschichte. + Karl Holubar Dem gegenüber steht die Botschaft der Weltgesundheitsorganisation: Aus Sicht der Krebsprävention gäbe es keine völlig risikofreie Menge Alkohol. Diese Botschaft klingt dramatisch, relativiert sich aber durch einige Studien, die dem Wein gegenüber anderen alkoholischen Getränken eine Sonderstellung einräumen. Diese Spannung zwischen Herzschutz und Krebsrisiko prägt die aktuelle Debatte. Der maßvolle Genuss, das Trinkverhalten sowie Lebensstil, Genetik und Risikofaktoren (Überernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, Blutfette etc.) sind entscheidend bei der Nutzen-Risikokalkulation. Fachleute sind sich heute weitgehend einig: Wer nicht trinkt, sollte aus gesundheitlichen Gründen nicht damit anfangen. Wer aber Wein bewusst und in kleinen Mengen genießt, kann realistische Vorteile für Herz und Kreislauf erwarten. Das gilt v.a. für Menschen über 40 Jahren. Was bedeutet das nun für den Alltag? Die wichtigsten Empfehlungen lauten: Qualität vor Quantität: Lieber ein Glas guten Weins als große Mengen. Zum Essen genießen: Wein passt in den Kontext einer ausgewogenen Mahlzeit. Langsam trinken, bewusst erleben: Der Moment zählt – nicht die Menge. Pausentage einplanen: Täglicher Konsum ist keine Notwendigkeit. Kontraindikationen beachten: In Schwangerschaft, bei bestimmten Erkrankungen (Leber, Bauchspei- cheldrüse, Sucht etc.), familiären Krebsbelastun- gen, Jugendliche unter 20 Jahren und am Steuer gilt: kein Alkohol. So zeigt sich Wein am schönsten: als Teil einer Kultur des Maßes, die Genuss, Gemeinschaft und Achtsamkeit verbindet. Genau das ist auch seine Botschaft in der christlichen Tradition – nicht Übermaß, sondern Symbol für Freude, Dankbarkeit und Gemeinschaft. + Peter Lechleitner 80 JAHRE RÜCKKEHR DES STIFTES KLOSTERNEUBURG
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