Augustiner Chorherr zu sein bedeutet für mich: Mit den mir von Gott geschenkten Gaben ein möglichst engagierter Priester zu sein, der die Person und Botschaft Jesu den Menschen von heute gegenwärtig macht. Dies gelingt aus der Kraft der priesterlichen Gemeinschaft des Stifts besser, als es einem „Einzelkämpfer“ gelingt. Schon Jesus hat seine Jünger nie allein ausgesandt. Das verbinde ich mit dem HI. Augustinus: Die Tiefe des theologischen Denkens. Ganz besonders das befreiende Bewusstsein, dass Gott mich längst schon geliebt hat, noch bevor ich überhaupt daran denken kann, ihn und die anderen zu lieben: also den Vorrang der Gnade vor jedem menschlichen Tun. Und vor allem das Leben in der Einheit der Kirche, weil sie mitten in der Welt - einem Sakrament gleich - der Leib Christi für die Menschen ist. Das Stift Klosterneuburg ist für mich: Kirche im Kleinen und konkrete Verwirklichung der im Sakrament der Priesterweihe schon mitangelegten Einheit des Presbyteriums im selben priesterlichen Dienst an der Ortskirche: also „Priestergemeinschaft für den Dienst am Volk Gottes“ mit und unter dem Bischof, wie unsere Konstitutionen es so treffend sagen. Unser Stift ist zudem ein lebendiger Ort der Liturgieerneuerung, historisch erwachsen aus dem Werk von Pius Parsch. Auch das gehört zur DNA unseres Hauses. Eine besondere Freude bedeutet mir: Eine gelungene gottesdienstliche Feier im Glanz edler Einfachheit, in der Christus die Menschen tatsächlich berührt und erfahrbar wird. Oder eine Predigt mit echter Glaubensresonanz. Oder wenn ich spüre (und das kann man!), dass im seelsorglichen Bemühen Glaube und Gemeinde wachsen. Mich freut aber auch immer wieder neu das Staunen, das mich erfasst, wenn ich im Erleben der Natur die Wirklichkeit des Schöpfers erfahre. Chorherren und weltliche Mitarbeiter sollen: An einem gemeinsamen Strang ziehen und immer wissen, dass sie - was und wo auch immer sie arbeiten - im Dienst am Verkündigungsauftrag des Evangeliums stehen. Wir alle sind in unserem Arbeitsauftrag (hoffentlich) ,,Knechte Christi“ für die Menschen. Mein derzeitiges Lieblingsgetränk aus unserer Vinothek: Klostersekt Matthäi Diesen Job würde Ich gerne einen Tag lang machen: Steinmetzmeister + (Quelle: Info Interne Mitteilungen des Stifts Klosterneuburg, Dez. 2025) Am 24. Jänner erfolgte die Übergabe des Bischofsstabs an den neuen Erzbischof im Wiener Stephansdom durch Kardinal Schönborn an Josef Grünwidl. Er ist in der kirchlichen Basis gut verankert, pastoral erfahren und ein dialogbereiter Zuhörer. Die Kirche brauche weniger Strukturdebatten, sondern mehr geistliche Tiefe, erklärte er mehrfach. In seiner ersten Stellungnahme zur Ernennung betonte er, Gott wolle ihn „nicht perfekt, sondern verfügbar“. Von seinen bisher 37 Priesterjahren ist er 32 in der unmittelbaren Seelsorge tätig gewesen, als Kaplan, Jugendseelsorger und Pfarrer. „Ich liebe die Begegnung mit Menschen - in ihren Lebensfragen, ihrer Freude und Not. Ob bei der Geburt eines Kindes, in der Taufvorbereitung, bei Hochzeiten oder an Sterbebetten: Da möchte ich nah dran sein.“ Menschen sollten durch die Kirche Orientierung finden und Seelsorge helfe Menschen dabei, „dass die Melodie der Hoffnung und Zuversicht in ihnen klingt“. Er sieht sich als „Teamplayer“, indem er gemeinsam mit anderen nach Wegen suchen werde. Und als Brückenbauer: Bereits innerhalb der katholischen Kirche gebe es ein breites Spektrum an Positionen, Traditionen und Meinungen, wobei es eine Hauptaufgabe des Bischofs sei, innerkirchlich für Einheit zu sorgen. Diese wolle er erreichen, indem er mit den verschiedenen Gruppen im Gespräch bleibe und Brücken baue. Auch der ökumenische und interreligiöse Dialog sei ihm ein großes Anliegen. Seite 2 UNSER PFARRER ANDREAS REDTENBACHER IM GESPRÄCH UNSER NEUER ERZBISCHOF: „GOTT WILL MICH VERFÜGBAR, ABER NICHT PERFEKT“
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