Seite 3 Was möchtest du in Zukunft noch lernen oder erleben? Erstens: muss ich lernen, mehr auf meine Gesundheit zu achten, um die mir im 74. Lebensjahr noch verbleibende Arbeitskraft möglichst lange zu erhalten, aber ich muss sie fokussieren. Das haben mir die Ärzte nach den beiden Darmoperationen der letzten Zeit dringend geraten. Ich muss lernen, dass meine Kräfte weniger werden und mich von meiner ans Herz gewachsenen Gemeinde Kahlenbergerdorf zu verabschieden. Zweitens: bin ich noch gefordert, im kommenden Arbeitsjahr meiner Berufung zum Gastprofessor an der päpstlichen Universität Sant´ Anselmo in Rom zu entsprechen. Darauf freue ich mich und dafür muss ich zunächst auch meine Italienisch-Kenntnisse vertiefen. Drittens: leite ich als Direktor eine weitere 3 Jahresperiode das inzwischen international renommierte „PiusParsch-Institut für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie“ und bleibe Geschäftsführer seines großen Trägervereins „Liturgiewissenschaftliche Gesellschaft“. Ich bleibe weiterhin Seelsorger der Pius-Parsch-Kirche St. Gertrud. Und ich freue mich, dass ich dieses kleine „Lebenswerk“ – so Gott will – vollenden darf. Viertens: Ergänzend werde ich mich gerne dort, wo Not am Mann ist, für Gottesdienstaushilfen zur Verfügung stellen. Ich freue mich sehr auf diese neuen Kontakte und darüber, auch andere Gemeinden kennen zu lernen – man lernt ja nicht aus. Welche drei Worte fallen dir ein, um deine Zeit in unserer Gemeinde zu beschreiben? Erstens: „Dorfgemeinde“ am Rand der Großstadt Wien. Zweitens: „Bereitschaft zum Engagement“ so vieler guter Menschen. Drittens: „Gottesdienstkultur“ mit Glaubenstiefe und im Glanz edler Einfachheit. Was war für dich die größte Herausforderung in der Seelsorge dieser Gemeinde? Die schrittweise Umgestaltung einer vorkonziliaren und versorgten Dorfgemeinde zu einer für sich und für die Menschen sorgenden christlichen Gemeinde, die die Verantwortung für die Pastoral (Seelsorge) selbst in die Hand nimmt und dem Kirchenbild des II. Vatikanischen Konzils entspricht. Mit dem großen Wiener Kardinal König gesagt: „Weg mit einem veralteten Kirchenbild!“ Das war es mir wert, auch mutig zu sein und in Einzelfällen „anzuecken“, aber immer um der Sache und um der Gemeinde willen. Was haben dir die Menschen beigebracht? Erstens: Dass ihr Glaube (und das Echo des Wortes Gottes in der Gemeinde) mich in meinem eigenen Glauben viel mehr getragen und mich im Dienst für sie bestärkt hat, als ich mir das zuvor geträumt hatte. Dafür bin ich der Gemeinde von Herzen dankbar. Zweitens: Dass es die Nähe zu den Menschen und dafür noch mehr Zeit braucht, als es mir wegen meiner anderen beruflichen Aufgaben möglich war. Da habe ich sicher vom mir selbst mehr verlangt und mich ein wenig überfordert. Dafür bitte ich um wohlwollendes Nachsehen. In der Liebe bleiben wir einander immer etwas schuldig, bleiben „Schuldner“, weil wir immer zu wenig geliebt haben. Drittens: Dass auch engagierte Mitarbeiter/innen Grenzen haben: zeitlich und ihren persönlichen Begabungen und „Charismen“ nach. Man darf stark motivieren, fördern und fordern, aber nicht überfordern. Aber wir haben eine gute und alles in allem verlässliche Mitarbeiterschar. Dafür gebührt allen höchste Anerkennung und ein großes DANKESCHÖN! Viertens: Und noch etwas: Ich habe im Echoraum der Gemeinde konkret erfahren dürfen, dass Gott die kleinen Leute, die Schwächeren, die Älteren, und die, die kein wichtiges gesellschaftliches oder berufliches Ansehen haben, vor allem liebt: sie reagieren auf ihn und sein Wort und sind einfach da…und tragen vielfach die Gemeinde. Das habe ich hier gelernt. Wenn du auf deine Zeit in unserer Pfarrgemeinde zurückblickst: Welche Momente und Projekte haben dich am meisten gefordert und worauf bist Du stolz, ohne bescheiden sein zu müssen? Erstens: Die Renovierung und liturgiegerechte Gestaltung unserer schönen und jetzt für alle offenen Kirche. GEORGS BOTE JUNI 2026
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